Buchmesse in Leipzig

Zurück von einer Buchmesse, die anders ist als Frankfurt. Näher am Menschen, nicht am „Markt“. Viele berührende Gespräche habe ich geführt und freue mich auf und über den Kontakt mit den Lesern.

Lesung Leipzig.jpgK u s Buchmesse Leipzig

 

Stadtanzeiger Winterthur vom 26.1.2016

Geständnis: Schluss mit Scham – Köln ist überall

Gerade überschlagen sich die Betroffenheitsmeldungen über Köln.

Verwundert frage ich mich: „Gibt es eigentlich Frauen, junge Mädchen, die überhaupt noch nie sexuelle Übergriffe erlebt haben? Und ist „begrapschen“ nicht verniedlichend, ein Euphemismus?

Das Risiko als Frau und Mädchen diese Erfahrung zu machen ist hoch.

In mir löste diese Diskussion um die Täter viele Erinnerungen heraus.

Als 11Jährige erlebte ich den sexuellen Übergriff durch einen amerikanischen weißen Besatzungssoldaten in einem ganz normalen öffentlichen Bus, der mich zu meiner Kieferorthopädin brachte, ich hielt ohnmächtig die Luft an und konnte nicht schreien. Er hatte mir einfach seinen Militärtrenchcoat über die nackten Fohlenbeine gelegt. „Der will nicht, dass sein Mantel verknuddelt“, hatte ich als11-Jährige gedacht, bis seine Hand unaufhörlich höher kroch.

Wie ich zu meiner Ärztin kam, daran erinnere ich mich nicht mehr, das Bild hört auf, als der Täter am Hauptbahnhof aus dem Bus sprang und ich wieder atmen konnte. An die Schmerzen erinnere ich mich wohl. Wie in Köln. Penetriert mit dem Finger.

Daheim erzählte ich nichts, ich schämte mich so, dass ich nicht geschrien hatte, dass es überhaupt passiert war. Auch später fuhr ich weiter allein mit dem Bus, es wusste schließlich niemand was mir passiert war. Nur setzte ich mich jetzt gleich neben Frauen, ich stand sofort auf, wenn sich ein Mann neben mich setzte.

Ja, Gedränge lädt ein, die Hände unter den Rock zu schieben, das passierte mir auch auf einem Markt, als junges Ding.

Wahrscheinlich liebe ich deshalb Hosen, besonders stabile Jeans.

Den Frauen wünsche ich behutsame Verarbeitungen und liebevolle Partner und Partnerinnen. Allen Frauen, dass sie offen mit Übergriffen umgehen, nicht schamvoll. Schluss mit Scham: Wir Frauen müssen uns nicht mehr für die Täter schämen.

Rezension

Von Doro Mara am 9. Januar 2016
Es ist ein mutiger Schritt von neun Autorinnen aus drei verschiedenen Generationen Kurzgeschichten zu den einzelnen Wochentagen schreiben zu lassen. So unterschiedlich die Autorinnen auch sind – so unterhaltsam ist das Buch. Viele Geschichten dringen unter die Haut und sind wirklich gelungen.ANTHOLOGIE Dreiundsechzig COVER